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2010

Rolf Wedewer

Trauerrede
Gehalten in St. Andreas, Schleebusch am 5. 11. 2010

Rolf hatte die wunderbare, aber seltene Gabe der Selbstmotivation. Sie war erkennbar in dem nie abreißenden Strom von Projekten, Ideen, Plänen und Konzepten, an denen er arbeitete. Zu denen er seine Freunde befragte, und die dann irgendwann als Bücher, Kataloge oder Ausstellungen Realität wurden. Als ich ihn das letzte Mal besuchte, saß er in seinem Sessel mit Blick auf Ursels schönen Innenhof-Garten, vor seinem winzigen Schreibtisch auf dem kein Computer stand, dafür aber einige kleine Skulpturen und ein Gewirr von Zetteln. Er schrieb mit der Hand, aber das hatte nichts von Technikverachtung, sondern war Ausdruck einer Unmittelbarkeit zwischen dem Denken und dem Akt des Schreibens. Meine konventionell-naive Frage nach seinem Befinden ignorierend, begann er sofort davon zu sprechen, dass er unserem gemeinsamen Verleger in München noch ein Exposé schulde, das aber in seinem Kopf bereits fertig sei. Auch meine Erzählung von einer geplanten Ausstellung in Prag wurde sofort begeistert aufgegriffen und ihm galt als sicher, dass er mit Ursel daran teilnehmen würde - im Sommer des kommenden Jahres.
Wenn wir am Telefon miteinander sprachen, begann er manchmal den Bericht über ein neues Projekt mit der Einleitung: Dir kann ich es ja erzählen, ohne dass du davon demnächst in einer Eröffnungsrede Gebrauch machst. Er wusste von den Mechanismen unserer Branche, in der er sich sein Leben lang bewegt und über alle Maße erfolgreich durchgesetzt hat. Seinen Freunden gegenüber aber war nichts zu spüren von diesen Mechanismen, da war er offen, stets neugierig auf deren Pläne und immer bereit zu kritischer, aber solidarischer Diskussion.
Als ich den Untertitel seines letzten großen Buches über „Die Malerei des Informel" las, dachte ich, wie genau dieser doch den Autor selbst charakterisiert: Nicht Weltverlust - das wäre einem bei Rolf nie in den Sinn gekommen, aber Ich-Behauptung! Eine Vergewisserung des eigenen Ichs als ständige Motivation des intellektuellen Tuns. Es war dieser unbeirrbare Glaube an das eigene Ich und die Werte, die es ausmachen, der Rolf so besonders ausgezeichnet hat. Dieser Glaube führte aber nie zur Dogmatisierung des eigenen Standpunktes, sondern ermöglichte es Rolf ganz im Gegenteil, seine Gabe einer unvoreingenommenen Neugier auszuleben. Als ich in Moskau einmal ein Bild gekauft hatte, das eigentlich gar nicht in meine Sammlung passte, und von dem ich ziemlich sicher war, dass ich damit in Deutschland auf wenig Gegenliebe und Verständnis treffen würde, wartete ich, bis Rolf mich besuchte, um ihn mit dem Maler und seinen Bildern bekannt zu machen. Nachdem dieser etwa zehn Arbeiten hinter einem Vorhang in seiner engen Wohnung hervorgeholt hatte, sagte Rolf: Von dem machen wir eine Einzelausstellung in Morsbroich. Dabei ging es um den russischen Maler Sergej Chesnakoff.
Als die Besucher der Vernissage etwas ratlos an dessen Bildern vorbeiflanierten, befürchteten wir Schlimmes. Bis Bernhard Schulze Rolf umarmte und laut ausrief, sodass es alle hören konnten: „Endlich, endlich wird wieder ein echter Maler ausgestellt." Eine solche Anerkennung galt Rolf mehr als der vermeintliche Erfolg in einem mainstream, der nicht den eigenen Werten entsprach.
Diese Neugier und Offenheit habe ich an dem Freund so besonders geschätzt, erinnerte sie doch an seine Anfänge als Journalist, die er nie vergessen hat, und aus denen er, wie er mir oft erzählt hat, sich nicht nur die Neugier bewahrt hat, sondern vor allem seine souveräne Unabhängigkeit. Die hatte ihren Preis in einer Kulturwelt der Abhängigkeiten und Zwänge, aber Rolf gelang es in dreißig Jahren als „Schlossherr" in Morsbroich, diesen Preis so gering zu halten, dass er niemals seine eigene Identität auch nur berühren konnte. So ist aus dem Freund in all den Jahrzehnten langsam auch ein bewundertes Vorbild, ein Antreiber und Herausforderer geworden. Das durfte ich ihm natürlich nie sagen, er hätte mit jenem Sarkasmus geantwortet, den er sehr wohl auch als Waffe einsetzen konnte. Als Freund konnte man sich auf Rolf stets und in jeder Situation verlassen. Als Kollege und Partner eines nie abreißenden intellektuellen Dialogs war er Maßstab. Und ein Fels in den Brandungen stets wechselnder Moden und Aufgeregtheiten. Den Freund haben wir verloren und werden ihn immer vermissen. Seine Maßstäbe werden mich und uns auch weiterhin begleiten und alle, die ihn näher kannten, daran erinnern, woran man gemessen werden möchte.

Hans-Peter Riese, Köln, im November 2010

Zum Tod von Klaus Werner

Grün ist die Hoffnung

Klaus Werner war nicht abergläubisch. Aber dass die Farbe Grün Hoffnung und Zuversicht bedeutet, das hat er schon geglaubt. Der in Berlin, Neubrandenburg und Leipzig für Kunst und Künstler rastlos Aktive hatte als Symbol die Tür zu seinem mit Kunst vollgestopften Büro der Berliner Galerie Arkade am Strausberger Platz grün gestrichen. Darauf verewigten sich seine Künstler mit ihrer Signatur. Die Tür hängt jetzt in der Akademie der Künste am Pariser Platz.
Vergangenen Herbst erst war dem nachhaltigen Engagement des ostdeutschen Kunsthistorikers, umtriebigen und zivilcouragierten Kunsthandelsgaleristen, Hochschulrektors und Freund der Künstler eine Ausstellung in der Berliner Galerie Parterre gewidmet, ihr Titel: "Die grüne Tür". Die Ausstellung schöpfte aus dem Archiv Werners, das er noch zu Lebzeiten der Akademie der Künste Berlin vermacht hatte. Ausgestellt waren die Bilder namhafter Maler aus dem deutschen Osten, die der in Chemnitz aufgewachsene Werner gefördert und ermutigt, für die er sich mit den ängstlichen, misstrauischen oder demagogischen DDR-Kulturfunktionären nicht selten herumgestritten hatte und wofür ihn die Staatsmacht denn auch mehrmals gerügt, sogar aus dem Amt entlassen hatte.
Werner nämlich setzte sich rückhaltlos gerade für nichtkonforme, von der staatlichen Kunstpolitik weitestgehend ignorierte oder behinderte Künstler ein, etwa für den Zeichner-Philosophen Carlfriedrich Claus, den Op-Artisten Horst Bartnig, für den Mail-Art Künstler Robert Rehfeldt und für die kritischen Maler Wolfram A. Scheffler oder Hans Hendrik Grimmling. Und für die ideologieabgewandte, auch melancholische sogenannte Berliner Schule um Arno Mohr und Harald Metzkes. Dafür nahm Werner so manche unangenehme Maßregelung in Kauf. Etliche der noch lebenden Künstler, die, wie Grimmling, ausgebürgert wurden, sagen heute, Werner sei für sie eine Lichtgestalt gewesen, ein Kunstgefährte mit Anstand, Würde und Courage.
Am Dienstagabend kam die Nachricht vom Tod des einstigen Gründungsdirektors der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) und des mutigen Rektors der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig von 2000 bis 2003. Klaus Werner wurde nur 69 Jahre alt.
Er war zunächst Referent im DDR- Kulturministerium, dann Initiator des Projekts VEB Zentrum Bildende Kunst in Neubrandenburg und Chef der Druckwerkstätten der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin-Weißensee, ehe er Galerist von Arkade in Berlin und Chef einer beargwöhnten Künstler-Genossenschaft wurde. Noch vor der Übernahme durch den Staatlichen Kunsthandel 1975 avancierte die Arkade zu einem Treffpunkt von Außenseitern und deren Anhängern. 1981 wurde Werner wegen "öffentlicher Propagierung künstlerischer und politischer Auffassungen im Widerspruch zur DDR-Kulturpolitik" entlassen. Er konnte auf 67 Einzelausstellungen zurückblicken, die noch heute fest in der Erinnerung jener Generation von Künstlern und Publikum sind, für die Werner Weggefährte, Förderer und nachhaltiger Vermittler war.
Klaus Werner hatte sich 2003 aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen, die Ärzte hatten bei ihm Alzheimer-Symptome festgestellt. In den letzten Jahren verschlechterte sich sein Zustand rapide; der hochintelligente, leidenschaftliche Mann der Kunst lebte nur noch in seiner eigenen Welt. "Er gehörte zu meinen frühesten Förderern und ich verdanke ihm unendlich viel", so der Maler Neo Rauch. "Klaus war eben kein Ideologe, kein Mann des Richtungsstreits, sondern ein Eigentümlichkeitsforscher mit feinem Gespür für die Entwicklungsanlagen des Besonderen. Ich habe auch einen guten Freund verloren."
Im Kunstverlag Walther König erschien 2009 das Buch "Klaus Werner. Für die Kunst".

Aus der Berliner Zeitung , Donnerstag 14. Januar 2010

Wir danken Ingeborg Ruthe und der Berliner Zeitung für die Erlaubnis, diesen Text in unsere Website übernehmen zu dürfen.
Berlin, 15.01.2010
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Luiza Vitt zum Gedenken


Lieber Walter Vitt,
mit Trauer und Bestürzung haben wir vom Ableben Ihrer Frau erfahren. Einigen von uns war es vergönnt, Ihre Frau persönlich gekannt zu haben. In Erinnerung bleibt uns ein Mensch, dessen ruhige und souveräne Erscheinung mit sehr viel Herzlichkeit verbunden war.
Als Vorstand der AICA Deutschland sind wir Luiza Vitt mit besonderem Dank verbunden, lagen doch die Präsidentschaft und deren Aufgaben hier sozusagen auf zwei Schultern. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Ihnen, lieber Herr Vitt, gilt unser aller herzliches Beileid. Wir nehmen Anteil an Ihrer Trauer, und für die kommende Zeit wünschen wir Ihnen Kraft und begleiten Sie in Gedanken.

Thomas Wulffen, Thea Herold, Bernard Schulz, Ludwig Seyfarth, Marie Luise Syring
Berlin, 23.03.2009
AICA Deutschland

Zum Tod von Klaus Werner

Grün ist die Hoffnung

Klaus Werner war nicht abergläubisch. Aber dass die Farbe Grün Hoffnung und Zuversicht bedeutet, das hat er schon geglaubt. Der in Berlin, Neubrandenburg und Leipzig für Kunst und Künstler rastlos Aktive hatte als Symbol die Tür zu seinem mit Kunst vollgestopften Büro der Berliner Galerie Arkade am Strausberger Platz grün gestrichen. Darauf verewigten sich seine Künstler mit ihrer Signatur. Die Tür hängt jetzt in der Akademie der Künste am Pariser Platz.
Vergangenen Herbst erst war dem nachhaltigen Engagement des ostdeutschen Kunsthistorikers, umtriebigen und zivilcouragierten Kunsthandelsgaleristen, Hochschulrektors und Freund der Künstler eine Ausstellung in der Berliner Galerie Parterre gewidmet, ihr Titel: "Die grüne Tür". Die Ausstellung schöpfte aus dem Archiv Werners, das er noch zu Lebzeiten der Akademie der Künste Berlin vermacht hatte. Ausgestellt waren die Bilder namhafter Maler aus dem deutschen Osten, die der in Chemnitz aufgewachsene Werner gefördert und ermutigt, für die er sich mit den ängstlichen, misstrauischen oder demagogischen DDR-Kulturfunktionären nicht selten herumgestritten hatte und wofür ihn die Staatsmacht denn auch mehrmals gerügt, sogar aus dem Amt entlassen hatte.
Werner nämlich setzte sich rückhaltlos gerade für nichtkonforme, von der staatlichen Kunstpolitik weitestgehend ignorierte oder behinderte Künstler ein, etwa für den Zeichner-Philosophen Carlfriedrich Claus, den Op-Artisten Horst Bartnig, für den Mail-Art Künstler Robert Rehfeldt und für die kritischen Maler Wolfram A. Scheffler oder Hans Hendrik Grimmling. Und für die ideologieabgewandte, auch melancholische sogenannte Berliner Schule um Arno Mohr und Harald Metzkes. Dafür nahm Werner so manche unangenehme Maßregelung in Kauf. Etliche der noch lebenden Künstler, die, wie Grimmling, ausgebürgert wurden, sagen heute, Werner sei für sie eine Lichtgestalt gewesen, ein Kunstgefährte mit Anstand, Würde und Courage.
Am Dienstagabend kam die Nachricht vom Tod des einstigen Gründungsdirektors der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) und des mutigen Rektors der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig von 2000 bis 2003. Klaus Werner wurde nur 69 Jahre alt.
Er war zunächst Referent im DDR- Kulturministerium, dann Initiator des Projekts VEB Zentrum Bildende Kunst in Neubrandenburg und Chef der Druckwerkstätten der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin-Weißensee, ehe er Galerist von Arkade in Berlin und Chef einer beargwöhnten Künstler-Genossenschaft wurde. Noch vor der Übernahme durch den Staatlichen Kunsthandel 1975 avancierte die Arkade zu einem Treffpunkt von Außenseitern und deren Anhängern. 1981 wurde Werner wegen "öffentlicher Propagierung künstlerischer und politischer Auffassungen im Widerspruch zur DDR-Kulturpolitik" entlassen. Er konnte auf 67 Einzelausstellungen zurückblicken, die noch heute fest in der Erinnerung jener Generation von Künstlern und Publikum sind, für die Werner Weggefährte, Förderer und nachhaltiger Vermittler war.
Klaus Werner hatte sich 2003 aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen, die Ärzte hatten bei ihm Alzheimer-Symptome festgestellt. In den letzten Jahren verschlechterte sich sein Zustand rapide; der hochintelligente, leidenschaftliche Mann der Kunst lebte nur noch in seiner eigenen Welt. "Er gehörte zu meinen frühesten Förderern und ich verdanke ihm unendlich viel", so der Maler Neo Rauch. "Klaus war eben kein Ideologe, kein Mann des Richtungsstreits, sondern ein Eigentümlichkeitsforscher mit feinem Gespür für die Entwicklungsanlagen des Besonderen. Ich habe auch einen guten Freund verloren."
Im Kunstverlag Walther König erschien 2009 das Buch "Klaus Werner. Für die Kunst".

Aus der Berliner Zeitung , Donnerstag 14. Januar 2010

Wir danken Ingeborg Ruthe und der Berliner Zeitung für die Erlaubnis, diesen Text in unsere Website übernehmen zu dürfen.
Berlin, 15.01.2010

Luiza Vitt zum Gedenken



Luiza Vitt zum Gedenken


Lieber Walter Vitt,
mit Trauer und Bestürzung haben wir vom Ableben Ihrer Frau erfahren. Einigen von uns war es vergönnt, Ihre Frau persönlich gekannt zu haben. In Erinnerung bleibt uns ein Mensch, dessen ruhige und souveräne Erscheinung mit sehr viel Herzlichkeit verbunden war.
Als Vorstand der AICA Deutschland sind wir Luiza Vitt mit besonderem Dank verbunden, lagen doch die Präsidentschaft und deren Aufgaben hier sozusagen auf zwei Schultern. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Ihnen, lieber Herr Vitt, gilt unser aller herzliches Beileid. Wir nehmen Anteil an Ihrer Trauer, und für die kommende Zeit wünschen wir Ihnen Kraft und begleiten Sie in Gedanken.

Thomas Wulffen, Thea Herold, Bernard Schulz, Ludwig Seyfarth, Marie Luise Syring
Berlin, 23.03.2009
AICA Deutschland