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2004

Marie Hüllenkremer gestorben

Die deutsche AICA trauert um Marie Hüllenkremer, seit 1987 ihr Mitglied. Die Kölner Kulturdezernentin erlag am 16. Mai in Köln nach langer, schwerer Krankheit ihrem Krebsleiden. Sie ist 61 Jahre alt geworden.

Die Stadt Köln hat unter der Adresse www.stadt-koeln.de/kondolenz ein elektronisches Kondolenzbuch aufgeschaltet. Oberbürgermeister Schramma (CDU) würdigte die prominente Kulturpolitikerin als eine Persönlichkeit, die von unbändiger Neugierde und Begeisterungsfähigkeit geprägt gewesen sei.

Marie Hüllenkremer wurde am 14. März 1943 in Eupen geboren und begann ihre journalistische Laufbahn Mitte der 1960er Jahre bei den Aachener Nachrichten. Dort leitete sie von 1970 bis 1978 als Nachfolgerin von Klaus Honnef das Kulturressort. Weiterer Stationen ihrer Karriere als Kultur- und Kunstkritikerin waren das Hamburger Kunstmagazin ART, für das sie auch aus New York berichtete, die Kulturredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers und das \"Zeit“-Magazin. 1992 kehrte sie als stellvertretende Chefredakteurin zum Kölner Stadt-Anzeiger zurück.

Die Sozialdemokraten gewannen die parteilose Journalistin 1998 für die Übernahme der bedeutenden Aufgabe als Kölner Kulturdezernentin – an der Schwelle der noch nicht vollständig erkennbaren Krise der Kölner Stadtfinanzen. Zu ihren gewichtigen Personalentscheidungen gehören die Berufung von Kasper König als Direktor des Museums Ludwig und von Albin Hänseroth zum Chef der Philharmonie. Ihre Absicht, für die Kölner Oper Barbara Mundel zu gewinnen, scheiterte am Einspruch des Oberbürgermeisters, der seiner Kulturdezernentin zuletzt auch in anderen Entscheidungsnotwendigkeiten das Heft aus der Hand genommen hat.

Marie Hüllenkremer wird gerne als „hemdsärmelig“ und „starke Frau“ charakterisiert, doch war sie zugleich äußerst empfindsam. Vor allem aber hatte sie Stil. Ihr Talent, Menschen zusammenzubringen, und ihr offenes Wesen machten die Begegnungen mit ihr stets gewinnbringend. Bis zuletzt verbarg sie unter ihrem meist optimistisch gestimmten Naturell viele ihrer großen Sorgen: solche des Amtes ebenso wie diejenigen, die ihre Gesundheit betrafen.

Wir werden Marie Hüllenkremer ein ehrendes Gedenken bewahren.

Walter Vitt, Köln, im Mai 2004

Zum Kölner Bilderfälscher-Prozess

Es ist hoch irritierend, dass sich der Bilderfälscher Wolfgang Beltracchi im jetzt abgeschlossenen Kölner Prozess immer wieder in seinem (vermeintlichen) Talent sonnen durfte, nicht allein durch Worte seines Verteidigers, der es einen Jammer nannte, dass Beltracchi sein „beträchtliches Talent nicht in den Dienst der Kunst gestellt" habe.
Ja, warum hat er nicht? Talentvoll zu malen, ist eine Sache, eine andere ist es, eine eigene, unverwechselbare und in der Kunstwelt bisher nicht bekannte bildnerische Idee und Handschrift zu entwickeln. Es dürfte Tausende (ich wiederhole: Tausende) von gut ausgebildeten Malern in Deutschland geben, die - gleich Beltracchi - Bilder von Pechstein, Max Ernst, Campendonk, von wem auch immer, zu kopieren oder zu fälschen vermögen.
Aber allein malerisches Talent reicht nicht aus, wenn Kunst anerkannt sein will oder gar den Anspruch hat, in die Kunstgeschichte einzugehen. Es geht u. a. um eine neue Sicht auf die Welt, um eine neue Formen-Ordnung, eine andere Malstruktur als die vorhandenen usw., usf. Und selbst wenn eine Malerin oder ein Maler diese neue Welt in ihren Werken zu schaffen vermögen, dauert es oftmals ein halbes Künstlerleben, bis das auch allgemein gesehen und anerkannt wird, denn selbst viele Experten sehen das Neue oft nicht, weil sie mit ihren alten Maßstäben messen, vielleicht ohne es wahrzunehmen.
Manchmal ist Kunst dann auch letztlich die „Ausdauer der Hinterbliebenen eines Künstlers", wie es der Kölner Maler Heinrich Hoerle (1895-1936) einmal ironisch formuliert hat.
Kunstfälscher sind zumeist sehr gute Handwerker, sonst würden sie dieses Tun erst gar nicht riskieren, aber ihnen fehlt entweder die Kraft zu Neuem oder sie wollen den mühseligen Weg des Kampfes um öffentliche Anerkennung umgehen. Mit der Bilderfälschung fehlt ihnen die öffentliche Anerkennung gewisslich auch (es sei denn, man lobt sie bei ihrem Prozess ständig), aber das viele Geld, das sie mit ihren Fälschungen zusammen klauben, scheint sie ausreichend dafür zu entschädigen, dass sie im Stillen wirken müssen.
Hinsichtlich der positiven Gutachten, die Beltracchi für seine Fälschungen bekommen hat, wäre anzumerken, dass die Verfasser von Werkverzeichnissen nicht unbedingt geeignete Experten sind, eine Fälschung zu entlarven. Denn ihr Bemühen ist groß und lang anhaltend, verschollene Werke ihrer Künstler aufzufinden. Deshalb konkurriert in ihnen der kritische Blick auf die vorgelegten Bildwerke mit der Sehnsucht, Lücken im Werkverzeichnis zu füllen.

Walter Vitt, Köln, im Oktober 2011



Verleihung der AICA-Preise 2010

Am Samstag, den 16.4.2011, wurden von der AICA, Deutsche Sektion, in Chemnitz die Preise für das Museum des Jahres und die Besondere Ausstellung 2010 verliehen. Die Übergabe an die Preisträger fand im Hauptgebäude der Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz im Rahmen einer Feierstunde statt.
Die Anwesenden, unter ihnen viele Bürger der Stadt, wurden von der Generaldirektorin der Kunstsammlungen, Ingrid Mössinger, begrüßt, gefolgt von einem Grußwort des Bürgermeisters Bertolt Brehm. Der Präsident der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes wies in seiner kurzen Rede darauf hin, dass die Preisvergabe die Kritik der Kunst in eine Kunst der Kritik verwandle. Die im Jahr 2010 ausgezeichnete Institution und die Besondere Ausstellung sind herausragende Beispiele für einen kritischen Umgang mit der Kunst, sozusagen ein 'state of the art' wortwörtlich genommen. Die Kunstsammlungen Chemnitz überzeugen sowohl durch ihre Sammlungstätigkeit, die die Grenzen zwischen Ost- und Westkunst bewusst überschreitet, als auch durch ihre Ausstellungstätigkeit.
Das Ausstellungsprojekt 'B1/40 - Die Schönheit der Großen Straße' wurde als 'Besondere Ausstellung des Jahres' durch Renate Puvogel ausgewählt. Diese Auszeichnung wird, wie bekannt, jedes Jahr von einer Einzelperson aus dem Verband in ganz persönlicher Wahl vergeben. Als gelungenes Beispiel dafür war das Projekt von Markus Ambach aufgefallen, das sich mit dem schwierigen Städte- und Landschaftskonglomerat entlang der Verkehrsachse B1/40 befasste.
Die anwesenden Mitglieder der AICA, der Präsident und der Vizepräsident, hatten noch das Vergnügen, auch die anderen Orte der Kunstsammlungen in einer Art Tour de Force in Augenschein zu nehmen, zusammen mit den Preisträgern. Chemnitz ist eine Reise wert.

Thomas Wulffen, Berlin, 29.04.2011