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2014

Marie Luise Syring zum 70. Geburtstag

Die Liebe Zu Frankreich

Wollte man Marie Luise Syring in Kürze charakterisieren, dann trifft wohl die Eigenschaft als stilles Wasser bestens auf sie zu. Dieses Wasser ist unterschwellig sehr quirlig und bahnt sich ohne großes Aufsehen den eigenen Weg. Das gilt für Marie Luises Laufbahn ebenso wie für ihre Persönlichkeit. Man könnte sagen, dass die Mäander ihrer Karriere durch ihre Interessen geprägt wurden und zunächst auch von ihrem Freiheitsdrang.

In einem altsprachlichen Gymnasium ausgebildet, entwickelt sie eine Vorliebe für Sprache, Philosophie und Bücher. Sie studiert Bibliothekswissenschaft und arbeitet zunächst in Berlin. 1973 beginnt ein 12-jähriger Auslandsaufenthalt zunächst in Italien, wo sie Italienisch und die romanische Kultur an der Università per Stranieri in Perugia erlernt, dann in Paris. Die Semiotik Kurse bei Roland Barthes am Collège de France und die Vorlesungen über Wissenschaftsgeschichte von Michel Serres an der Sorbonne sind prägende Erlebnisse.

Ganz eingetaucht im Diskurs über Strukturalismus, poststrukturalistischen Marxismus und Psychoanalyse, voll von Eindrücken des pulsierenden Lebens in Paris widmet sie sich der Kunstkritik. Von 1975-84 ist sie Pariser Korrespondentin für die Zürcher Zeitschrift „DU“ und verfasst als freie Kunstkritikerin auch Beiträge für andere Zeitschriften, u.a. Art Press in Frankreich, Kunstforum, Radio Bremen in Deutschland und Kunstnachrichten in der Schweiz.

Ihr Interesse an der Analyse des Kunstdiskurses in Paris und der in sie eingebetteten französischen Kunstszene führt dazu, dass sie 1985 von der Association Française d’ Action Artistique, kurz AFAA, mit der Organisation einer Ausstellung über die zeitgenössische französische Kunst beauftragt wird. Dies wird einschneidende Konsequenzen auf ihren Lebenslauf haben. Die Ausstellung „Geschichte als Widerstand. Aspekte zeitgenössischer Kunst in Frankreich“, die sie für die Kunsthalle Düsseldorf, Bremen und Karlsruhe konzipiert, führt dazu, dass Marie Luise Syring als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Düsseldorfer Kunsthalle angeworben wird. Sie kehrt 1986 nach Deutschland zurück. Von 1998 bis 2001 wird sie die Direktorin der Kunsthalle. Ihre letzte museale Station gilt der Gründung der Abteilung Kulturelle Entwicklung im eben umstrukturierten Düsseldorfer Museum Kunst Palast in enger Zusammenarbeit mit Jean Hubert Martin. Dort redigiert sie die Zeitschrift „Oh cet écho“, ruft eine mehrmalige Performance-Reihe ins Leben, kreiert die Vortragsreihe „Künstler im Gespräch“ sowie die Filmreihe „Die Kunst und das Leben“. Sie lädt Philosophen, Kulturwissenschaftler, Soziologen und Kunsttheoretiker in loser Folge zum Thema „Mythos und Politik“ ein. Außerdem teilte mir Jean-Hubert Martin mit, dass sie durch ihre hervorragenden theoretischen Kenntnisse und ihr Wesen ein wichtiges Scharnier zwischen den Kuratoren war.

Auch von Deutschland aus bleiben die Kontakte zu Frankreich stets rege: Von 1987 bis 89 ist sie in der Ankaufskommission des FNAC (Fonds National des arts contemporains) und 1996 ist sie Präsidentin der Jury für die Diplomabschlussprüfungen der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris. Ausstellungen wie Jean-Michel Alberola und François Rouan, die sie in Düsseldorf realisiert, sorgen dafür, dass zeitgenössische französische Künstler in Deutschland bekannt werden. Auch ihr Essay „Im Irrgarten der Kunstkritik – Eine französische Debatte in den 1990er Jahren“, die sie für die Reihe der „Schriften zur Kunstkritik“ verfasst, zeugen von ihrer ständigen Aufmerksamkeit für die Entwicklung der theoretischen Debatten.

Mitglied der AICA wurde sie im Jahr 1976 in Frankreich. Als sie nach Deutschland zurückkehrte, wechselte sie zur Deutschen Sektion. Von 2001 bis 2010 war sie deren Generalsekretärin und von 2008 bis 2010 in Personalunion auch Generalsekretärin der internationalen AICA in Paris. So war sie prädestiniert, 2013 als erste Frau deutsche AICA Präsidentin zu werden. Wir haben das Glück, in den Genuss all ihrer persönlichen Qualitäten zu kommen: Sie ist als Präsidentin genauso bescheiden wie sonst im Leben, und wüsste man nicht, dass sie das Heft mit Entschiedenheit in der Hand hat, könnte man meinen, dass man allein agiert. Ihre große Toleranz gegenüber der Meinung Anderer macht, dass jede Zusammenkunft und jede Arbeitssitzung ein Vergnügen ist, noch mehr, wenn Zeit zum Austausch persönlicher Erfahrungen bleibt.

Liebe Marie Luise, der Vorstand der AICA Deutschland und alle AICA Mitglieder die Dich kennen und schätzen, Jean-Hubert Martin und Marina Schuster wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag, ein langes, erfülltes und gesundes Leben. Bewahre Deine Neugierde am Kunstgeschehen und die Freude am Leben.

Danièle Perrier, Düsseldorf 1. August 2014