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2006

Kritikerpreis 2006

Kritikerpreis 2006 für Ulrich Baehr

Der Berliner Maler Ulrich Baehr ist in diesem Jahr „für sein Lebenswerk“ mit dem Kritikerpreis „Bildende Kunst“ des Verbandes der Deutschen Kritiker (Berlin) ausgezeichnet worden.

In ihrer Laudatio würdigt die Jury den am 31.3.1938 in Bad Kösen (Saale) geborenen Künstler als „kritischen Kommentator von Geschichte und Gegenwart“. Er habe im Medium Bild mit „seiner unverwechselbaren, gleichwohl immer neuen Handschrift, mit seinem bewegten malerischen Duktus und seinen virtuosen künstlerischen Techniken ... die Malerei auf seine eigene Weise lebendig gehalten“. Das 20. Jahrhundert mit seinen politisch-gesellschaftlichen Brüchen und Umbrüchen sei seit jeher sein zentrales Thema gewesen.

Der Meister-Schüler bei Werner Volkert an der Berliner HdK war 1964 in Berlin Gründungsmitglied der legendären Galerie Großgörschen 35 und gehörte zu den Berliner Kritischen Realisten. Von 1987 bis 2003 hatte Baehr an der hannoverschen Fachhochschule für Kunst und Design eine Professur für Malerei und Kunst im öffentlichen Raum inne.

Die drei Juroren (Sigrid Nebelung, Rainer Höynck und Bernhard Schulz, sämtlich auch AICA-Mitglieder) erinnern in ihrer Preis-Begründung nachdrücklich an Baehrs „metaphorische Baustellenbilder des Zyklus ‚Kran-Zeit’ über die noch nicht gefundene neue Rolle Berlins nach dem Fall der Mauer“.

Walter Vitt, Köln, im April 2006

Horst Richter zum 80. / Von Klaus Honnef

Laudatio von Klaus Honnef

In seine Ägide als Präsident der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) fiel ein Höhepunkt ihrer nun auch schon über fünfzig Jahre währenden Geschichte: die Veranstaltung des alljährlichen Weltkongresses der Kunstkritik. Den äußerlichen Anlass lieferte die 6. Documenta 1977 in Kassel. Als Medien-Documenta berühmt geworden, höchst umstritten und von großen Teilen der (west)-deutschen Kunstkritik noch vehementer in den Boden gestampft als ihre Vorgängerin. Der Kongress fand in Köln statt, in gehöriger Distanz zum inkriminierten Ereignis, damals das vitale Zentrum der Gegenwartskunst im Westen Deutschlands. Hier lebt Richter und wirkte als einflussreicher Kunstkritiker für den "Kölner Stadt-Anzeiger".
Das war natürlich nicht der entscheidende Grund, weswegen die AICA der "alten" Bundesrepublik "ihren" Weltkongress drei Jahre, nachdem die AICA der DDR den ersten auf deutschem Boden ausgerichtet hatte, in der Domstadt aufzog. Köln, seine Museen und Galerien boten den entsprechenden Rahmen, das inspirative Klima, das notwendige Interesse und die geeigneten Räumlichkeiten.
So legt der immer noch lesenswerte Sammelband mit dem bezeichnenden Titel "Kunst in den 70er Jahren", den Richter herausgegeben hat, eindrucksvoll Zeugnis vom außergewöhnlichen Niveau der Veranstaltung ab und unterstreicht nachdrücklich, dass dieses Jahrzehnt das Bild der Kunst trotz vieler anders lautender Behauptungen nachhaltiger verändert hat als jedes andere der Nachkriegszeit.
Richter, der in Köln Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Germanistik (1951-1957) studierte und sein Studium mit der Promotion zum Dr. der Philosophie abschloss, hat als aufmerksamer Beobachter in seiner kunstkritischen Arbeit die Kunst des 20. Jahrhunderts ins Visier genommen, beschrieben, analysiert und kommentiert. Ihr galten zahlreiche Künstlermonographien, darunter über El Lissitzky (1958), Georg Muche (1960), Leo Breuer (1969) und Anton Räderscheidt (1972) und schließlich sein einmal erweitertes "chef d´oeuvre" "Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert" (1974/1985) in bislang 10. Auflage. Unbeschadet eingestandener Sympathie blieb der Blick des Kunstkritikers Horst Richter stets ungetrübt und seine Sprache klar und luzide. Urteile hat er nie gescheut, doch widerstand er jedem Versuch, auf der Glatze des leeren Papiers die Locken aufgeblasener Geschwätzigkeit zu drehen.
Wie er die deutsche AICA durch turbulente Jahre führte, ruhig, humorvoll, gleichwohl entschlossen und mit großer Gelassenheit, ging er seinem kunstkritischen Geschäft nach. Außer im "Kölner Stadt-Anzeiger" erschienen seine instruktiven Ausführungen noch im "General-Anzeiger für Bonn und Umgebung" sowie namentlich im Magazin "Weltkunst". Vor allem hat er sich für konstruktive Tendenzen stark gemacht, ohne sich als säkularer Apostel zu gerieren, und nicht zuletzt für die avancierte Kunst in Ost-Europa, damals meistenteils unterdrückt und im Westen nur bruchstückhaft bekannt. Inzwischen hat Richter sich von der Kunstkritik weitgehend zurückgezogen. Das Fehlen einer Stimme wie seiner ist für die Kunst und ihre Interessenten gleichermaßen schmerzlich. Am 26. Februar feiert Horst Richter seinen 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Und: ad multos annos.

Ihr Klaus Honnef, Bonn, 26.02.2006


Preis für Kunstkritik 2006

Preis der ADKV 2006 geht an Catrin Lorch

Catrin Lorch aus Bonn ist in diesem Jahr mit dem Preis für Kunstkritik der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) ausgezeichnet worden.
Die 1965 geborene Kunstkritikerin schreibt vor allem für Magazine wie Frieze, Kunstbulletin, artforum.com und für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Jury stuft ihre Texte als "stilistisch hervorragend" ein - sie könne komplexe Sachverhalte einfach und klar ausdrücken - und spricht der Preisträgerin große "Begeisterung für die zeitgenössische Kunst" sowie eine "unverwechselbare Position als freie Kritikerin und engagierte Feuilletonistin" zu. Catrin Lorch entwerfe Sprachbilder, Bedeutungs- und Poesie-Kosmen, welche die Leser unmittelbar involvieren und an die Kunst heranführen. Hervorgehoben wird ferner, dass die Autorin dem Leser Einblick in ihre eigene Motivation und ihre Bewertungskriterien gibt. Ihre kritische Meinung sei ohne Polemik.

Catrin Lorch hat nach Angaben der ADKV nach einem Redaktionsvolontariat Kunstgeschichte, Journalismus, Städtebau und Germanistik studiert und leitete zeitweilig die Bonner Videonale. Der mit 5.000 € dotierte Preis für Kunstkritik wurde in diesem Jahr von der Art Cologne gestiftet. Bisherige Preisträger sind u. a. Stefan Römer, Renate Puvogel und Raimar Stange. Zuletzt wurde 2005 Dominic Eichler ausgezeichnet.

Walter Vitt , Köln, im Oktober 2006

Walter Vitt zum Siebzigsten

Walter Vitt zum Siebzigsten

Seit dem Herbst 1989 präsidiert Walter Vitt den deutschen Zweig des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA). Länger als jeder seiner Vorgänger. Und wäre er noch weiter bereit und würden die neuen Statuten es nicht verhindern – die jährlich stattfindende Versammlung der Mitglieder fände nichts dabei, ihn alle drei Jahre immer wieder mit überwältigender Mehrheit im Amt zu bestätigen.

Dennoch hat er so gar nichts mit jenen sich peinlich anbiedernden Mediengeschöpfen aus Politik und Kultur gemein, die mit jedem Satz und jedem Blick um die Gunst des Publikums buhlen. Ob er einen Beliebtheitspreis erringen würde, steht zumindest dahin. Walter Vitt ist meist gerade heraus, nicht immer diplomatisch, das Gewundene liegt ihm nicht, er zieht Klarheit und Präzision vor. Vermutlich ist das der Grund, weshalb er auch das Vertrauen jener Spezies Mensch männlichen und wachsend weiblichen Geschlechts genießt, die sich als Kunstkritiker bezeichnet.

Unter seine Präsidentschaft fiel auch die schwerste Aufgabe, mit der ein deutsches AICA-Präsidium bislang konfrontiert war: die Erweiterung der West-AICA auf die Kunstkritiker aus jenem Teil Deutschlands, der zuvor eine eigene Sektion gestellt hatte, ohne die regimegenehmen Kunstinterpreten der DDR in cumulo trotz sanften Drucks von Seiten der internationalen Präsidentschaft aufnehmen zu müssen. Vitt meisterte die delikate Angelegenheit weitestgehend geräuschlos, und die Deutschen stellen heute über 170 Mitglieder. Darüber hinaus erhöhte er die Außenwirkung des Kritikerclubs und führte ihn in das Zeitalter des Internets, dessen Konsequenzen für den Beruf der Kunstkritik noch nicht annähernd eingeschätzt werden können.

Ob die Profession der Kunstkritik überhaupt ein Beruf ist – darüber lässt sich trefflich streiten. Künstler haben häufig Witze über Kunstkritiker gemacht, obwohl sie deren Tätigkeit wie einst der formidable Vasari begründet haben. Walter Vitt hat sich stets bemüht, der Kunstkritik, dem Schreiben über Kunst ohne wissenschaftlichen Anspruch, aber mit Gefühl und Verstand, durch gezielte Ausbildung ein Fundament zu geben. Sei es vermittels Seminaren parallel zu seinen zahlreichen Lehraufträgen an den Universitäten zu Münster, wo er von 1957 bis 1963 Germanistik, Publizistik, Geschichte und Philosophie studiert hat, zu Bochum, Dortmund, Siegen und Mainz, sei es kraft seiner ständigen Initiativen als AICA-Präsident in Richtung Universitäten und Kunsthochschulen. Mit partiellem Erfolg.

Die Reihe „Schriften zur Kunstkritik“, die er ins Leben rief und als souveräner Herausgeber nach wie vor betreut, eröffnete der spezifischen Disziplin sogar eine Phase der Selbst-Reflexion und zeitigte bisweilen überraschende Einsichten. Womöglich zieht eines fernen Tages auch die Kunstwissenschaft aus den Erkenntnissen dieser Schriftenreihe ihre Schlüsse. Die Hoffnung bleibt.

Das Geschäft der Kunstkritik jedenfalls betreiben nur wenige in schöner Ausschließlichkeit, es ist eine eher brotlose Kunst, viele, die überwiegende Zahl, nur nebenher, was keineswegs nebenbei heißt, und im übrigen verändern sich die Parameter der Kunstkritik ständig.

Auch Walter Vitt war kein hauptberuflicher Kunstkritiker. Inzwischen ist er es. Er war weder Museumsmann noch beamteter Hochschullehrer in einem kunsthistorischen oder sonstigen Institut; die Kunst ist während der Dauer seiner eigentlichen beruflichen Laufbahn (1961–1998) als Redakteur des WDR, von 1989 bis 1998 stellvertretender Nachrichtenchef des Hörfunks, nur das Feld am Rande seiner Berufsstraße gewesen.

Nichts desto weniger erwarb er sich als Kunstkritiker beträchtliches Renommee und verfügt im häufig kakophonischen Chor der Kunstkritik über eine prägnante und unverwechselbare Stimme. Selbst wenn der Kunst zwangsläufig nur seine geteilte Aufmerksamkeit gehörte, bedeutet es für ihn nie, sie dilatorisch zu behandeln. Ganz im Gegenteil. Er hat für fast alle bedeutenden deutschen Kunstzeitschriften, ständig oder sporadisch, geschrieben, für eine Menge regionaler und überregionaler Tageszeitungen, darunter auch für den legendären „Aufbau“ in New York, und er hat zahlreiche Bücher zur Kunst des 20. Jahrhunderts verfasst, vornehmlich für unterschätzte und vergessene Künstler, etwa den großen Walter Dexel, dessen Werkverzeichnis der wichtigen Druckgrafik er (1971, zweite Auflage 1998) erarbeitete. Dem Dadaisten Johannes Theodor Baargeld hat er postum wieder zu einer Identität verholfen: „Auf der Suche nach der Biographie des Kölner Dadaisten Johannes Theodor Baargeld“ (1977). Darin entpuppt sich der Kunstkritiker als veritabler Kunsthistoriker, der seine Quellen freilich erst aufspüren musste. Die Studie, einer Promotion wert. Walter Vitts Vorliebe galt und gilt aber den rationalen, konstruktiven Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst, deren Wirkungen durchaus Momente hervorbringen, die sich mit rationalem Besteck nicht vermessen lassen. „Genialisch“ Hingeworfenes ist ihm hingegen fremd und ebenfalls die solipsistische künstlerische Praxis der Postmoderne.

Walter Vitt habe ich in der zweiten Hälfte der allmählich verblassenden 1960er Jahren kennen gelernt. Zunächst als Kunstkritiker, dann auch persönlich. Eines der beiden Ressorts, die ich damals bei den „Aachener Nachrichten“ leitete, war das Feuilleton, und seine Beiträge haben diesem neben den Beiträgen von John Anthony Thwaites, Rolf Gunter Dienst, Dieter Hülsmanns, leider seltener Gert Kalow, Franz Josef Görtz, Rolf Thissen und einigen anderen ein weit über die Region ausstrahlendes Profil verliehen. Aus der Bekanntschaft ist längst eine sturmerprobte Freundschaft geworden. Was mich an seinen in der Regel knappen Artikeln stets bestach, war die genaue, zugleich anschauliche Sprache, die alles Wesentliche über ihren Anlass – eine Ausstellung, den „runden“ Geburtstag eines Künstlers, einer Künstlerin – mitteilte, mit Empathie gegenüber dem Gegenstand, ohne je in Versuchung zu sein, auf der Glatze im Sinne Karl Kraus´ eine Locke zu drehen. Walter Vitt ist ein Kunstkritiker, der für Leser schreibt, natürlich auch für die Künstler seines Interesses, aber zuallerletzt für sich und die Galerie.

Über Person und Persönlichkeit wäre noch vieles zu sagen. Über seine Kuratorentätigkeit, weit über zwanzig Ausstellungen kommen zusammen, zählt man allein die bedeutendsten, über seine Gedichte, überhaupt das Thema der Schriftstellerei, über sein Buch der Träume.

Am 2. Oktober wurde der in Gera geborene und in Köln lebende Walter Vitt siebzig Jahre alt.

Klaus Honnef, Köln/Bonn, im Oktober 2006

Kritikerpreis 2006 für Ulrich Baehr

Kritikerpreis 2006 für Ulrich Baehr

Der Berliner Maler Ulrich Baehr ist in diesem Jahr für sein Lebenswerk
mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet worden
Der Berliner Maler Ulrich Baehr ist in diesem Jahr „für sein Lebenswerk“ mit dem Kritikerpreis „Bildende Kunst“ des Verbandes der Deutschen Kritiker (Berlin) ausgezeichnet worden.

In ihrer Laudatio würdigt die Jury den am 31.3.1938 in Bad Kösen (Saale) geborenen Künstler als „kritischen Kommentator von Geschichte und Gegenwart“. Er habe im Medium Bild mit „seiner unverwechselbaren, gleichwohl immer neuen Handschrift, mit seinem bewegten malerischen Duktus und seinen virtuosen künstlerischen Techniken ... die Malerei auf seine eigene Weise lebendig gehalten“. Das 20. Jahrhundert mit seinen politisch-gesellschaftlichen Brüchen und Umbrüchen sei seit jeher sein zentrales Thema gewesen.

Der Meister-Schüler bei Werner Volkert an der Berliner HdK war 1964 in Berlin Gründungsmitglied der legendären Galerie Großgörschen 35 und gehörte zu den Berliner Kritischen Realisten. Von 1987 bis 2003 hatte Baehr an der hannoverschen Fachhochschule für Kunst und Design eine Professur für Malerei und Kunst im öffentlichen Raum inne.

Die drei Juroren (Sigrid Nebelung, Rainer Höynck und Bernhard Schulz, sämtlich auch AICA-Mitglieder) erinnern in ihrer Preis-Begründung nachdrücklich an Baehrs „metaphorische Baustellenbilder des Zyklus ‚Kran-Zeit’ über die noch nicht gefundene neue Rolle Berlins nach dem Fall der Mauer“.

Walter Vitt Köln, 05.04.2006