Symposien, Kongresse etc.

XXXV. Deutscher Kunsthistorikertag

Göttingen, Georg-August-Universität, 27.–31.03.2019

veranstaltet vom
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
und dem Kunstgeschichtlichen Seminar und der Kunstsammlung der Universität Göttingen

unter der Schirmherrschaft
des Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen
Stephan Weil


Zu den Dingen!

Die Begegnung mit Kunst stellt uns vor immer neue Herausforderungen und Möglichkeiten, sei es des Erkenntnisgewinns, des ästhetischen Genusses oder auch der Selbstreflexion. Dabei sind die Objekte, in denen uns Kunst begegnet, selten mit einer Methode allein zu deuten, sondern erschließen sich erst sukzessive und unter Zuhilfenahme einer Fülle von Sichtweisen. Denn ihre Bedeutung entwickelt sich im Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Bereiche, die das Werk ausmachen: Materialität und Farbe, Größe und Plastizität, Aufstellungssituation und Provenienz. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Beschäftigung mit Objekten in den Geistes- und Kulturwissenschaften als eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gilt, in der die Kunstgeschichte eine zentrale Rolle einnimmt: Denn verstand sie sich schon immer als Wissenschaft, die es mit Objekten zu tun hatte, so konnte sie als Fach davon profitieren, dass durch die Bildwissenschaften der Untersuchungs- und Gegenstandsbereich ausgedehnt wurde: Ganz selbstverständlich zählen heute Objekte der Populär- und Alltagskultur, der religiösen Praxis sowie die Dinge der Wissenschaften dazu.

Wie fruchtbar die Auseinandersetzung mit den Dingen und den in ihnen verankerten Spuren ist, haben etwa die jüngsten Debatten um Provenienz und Restitution gezeigt. Um die objektbiographischen Einschreibungen entziffern zu können und die Objekte in ihren epistemischen Zusammenhängen zur Diskussion zu stellen, bedarf es jedoch auch innerhalb der Kunstgeschichte vieler unterschiedlicher Köpfe. So versteht sich das diesjährige Motto des 35. Deutschen Kunsthistorikertages, der gemeinsam mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen ausgerichtet wird, als Aufforderung zur Zusammenarbeit – miteinander, innerhalb der Fächergrenzen und über diese hinaus. Hierbei ist es uns wichtig zu betonen, dass die Autonomie der kunstgeschichtlichen Expertise zur Erforschung der Objekte auch in Zeiten wachsenden Einflusses der Politik auf vielen Ebenen der Objektforschung und Kunstpolitik bewahrt werden muss – und das auch oder gerade in Zeiten bestimmter dominierender Themen und Trends.

Als neues Format präsentieren sich in Göttingen erstmals die Berufsgruppen der Mitglieder in eigenen Foren, um aktuelle berufsspezifische Fragen, die sowohl methodischer als auch praktischer Natur sind, für Hochschule, Museum, Denkmalpflege sowie die Freien Berufe zu diskutieren.

Der gemeinsame Blick auf die Objekte und ihre Sprache verspricht ein besonders geeignetes Instrument zu sein, um Diskursformen von Herrschaft, Kirchenkunst als Zeugin konfessionellen Wandels, dem „Wissen der Objekte“ und vielem mehr in Göttingen mit seinen bedeutenden, objektfokussierenden Traditionen und seinem Selbstverständnis als Wissenschaftsstadt auf die Spur zu kommen.

Kilian Heck, Erster Vorsitzender
Iris Wenderholm, Zweite Vorsitzend

[zum Programm]



Sonderveranstaltung zur MV 2016

Freitag, 11. November 2016, 16 – 17.30 Uhr
Ort: Kölnischer Kunstverein, Hahnenstr. 8, Köln

Die Türkei nach dem Putsch – ein Zwischenbericht über Zensur und Selbstzensur im Kunstbetrieb
Impulsstatements und nachfolgendes Gespräch mit u.a. Ingo Arend (Berlin) und Necmi Sönmez (Düsseldorf), moderiert von Sabine Maria Schmidt

Eine Veranstaltung im Rahmen der Jahresversammlung der AICA (Deutschland) in Köln in Kooperation mit dem „Labor für Kritik und Weitsicht“ (Düsseldorf) und dem Kölnischen Kunstverein

Der radikale innenpolitische Umbau der Türkei in nur wenigen Monaten nach dem gescheiterten Staatstreich im Juli 2016 lässt aktuell nur wenig Ausblick auf positive Entwicklungen zu. Das Land ist gespalten. Der offene Kampf gegen Journalisten, Schriftsteller, Akademiker, kritische Intellektuelle hat zu einer förmlichen Säuberungswelle im Land geführt. Auch bildende KünstlerInnen und Institutionen berichten zunehmend von Übergriffen und Einschränkungen. Die Absage verschiedener Ausstellungen, Biennalen und der Kunstmesse „ArtInternational“ sind Anzeichen dafür, dass sich die Lage auch zukünftig verschärfen dürfte. Eine Regierung dünnt das kulturelle Kapital seines Landes systematisch aus und inszeniert auf der anderen Seite eine ‚neue Türkei’ im Geiste einer „phantasierten“ osmanischen Tradition.
Ingo Arend, der regelmäßig über die Kulturszene in der Türkei berichtet, wird sich in seinem Impulsstatement auf akute Zensurfälle ebenso wie den (zerbrochenen) Zusammenhang von ästhetischer und politischer Entwicklung konzentrieren. Necmi Sönmez, seit vielen Jahren als Kurator und Autor in Deutschland und der Türkei tätig, u.a. für Privatsammlungen, berichtet von aktuellen Erfahrungen ebenso wie von grundsätzlichen Einschätzungen und Problemen des Kunstbetriebs in der Türkei.
Wir zeichnen Entwicklungslinien und Stimmungsfelder nach und fragen, welche Stimmen und Räume es braucht, um die Freiheit von kreativem Geist und kritischer Meinung zu stärken?

Necmi Sönmez, geboren in Istanbul, arbeitet international als Kurator, Kritiker und Autor in Deutschland und der Türkei. Sönmez studierte Kunstgeschichte, Byzantinische Kunstgeschichte und Klassische Archäologie, kuratierte zahlreiche Ausstellungen, ist als Gastkurator für Borusan Contemporary, Istanbul und als Editor im Skira Verlag tätig.

Ingo Arend ist Kunstkritiker und Lehrbeauftragter, u.a. mit Schwerpunkt auf Kunst, Kultur und die Geschichte der Türkei. Er studierte Politik, Geschichte und Publizistik in Bonn und Köln, war von 1996 bis 2010 Kulturredakteur der Wochenzeitung „Freitag“ und später dort Redaktionsleiter. Ebenso war er tätig als Kunstredakteur der taz, arbeitet aktuell freiberuflich.

Sabine Maria Schmidt arbeitet international als Kuratorin, Kritikerin und Autorin, ist Mitglied der AICA und IKT, und gründete Anfang 2015 u.a. das „Labor für Kritik und Weitsicht“.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Jahresversammlung der AICA (Deutschland) in Köln in Kooperation mit dem WELTKUNSTZIMMER, Düsseldorf und dem Kölnischen Kunstverein


Carl Einstein Re-Visited:

Carl Einstein Re-Visited: Die Aktualität seiner Sprache, Prosa und Kunstkritik
Donnerstag 2. Februar bis Samstag 4. Februar
Museum für Literatur am Oberrhein und ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe
Donnerstag, 2. Februar 2017
Museum für Literatur am Oberrhein

19:00 Begrüßung durch OB Dr. Mentrup, Prof. Dr. hc. mult. Weibel, Prof. Dr. Schmidt-Bergmann
19:30 Uwe Fleckner (Hamburg): „immer in einer fremden sprache leben ...“ Carl Einstein und die Sprache des Exils

Freitag, 3. Februar 2017
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien
Sektion I: Autobiografie

9:00 Liliane Meffre (Dijon): Carl Einstein, toujours un et multiple
9:45 Stefan Scherer (Karlsruhe): Kubistische Prosa. 'Bebuquin'
10:30-11:00 Kaffeepause
11:00 Patrick Hohlweck (Köln): „oder“. BEBs Psychogrammatik
11:45 Sebastian Baden (Karlsruhe): „Técnico de guerra“: Einsteins politischer Aktivismus
12:30-14:00 Mittagspause

Sektion II: Kunstkritik

14:00 Annie Pfeifer (USA/CH): The Lexical as Critical: Carl Einstein’s “Critical Dictionary”
14:45 David Quigley (Stuttgart): “K geht über K hinaus. L’art comme partie et fonction du réel”
15:30-16:00 Kaffeepause
16:00 Stephanie Marchal (Lüneburg): Kontaktzonen der Kritik: Julius Meier-Graefe und Carl Einstein
16:45 Axel Heil (Karlsruhe): Bilder ohne Worte. Carl Einstein und Aby Warburg
17:30-18:00 Kaffeepause
18:00 Klaus H. Kiefer (Balaruc-les-Bains): Carl Einsteins Briefe - Stilistik und Philologie

Samstag, 4. Februar 2017
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Sektion III: Ideologie

9:00 Maria Männig (Karlsruhe): Reaktionäre Avantgarde
9:45 Christian Drobe (Halle): Von der Gestalt zum gestaltenden Sehen? Ganzheitliche Positionen ästhetischer Wahrnehmung bei Carl Einstein und Ernst Cassirer
10:30-11:00 Kaffeepause
11:00 Matthias Berning (Aachen): Einstein, Grosz, die Kunst und die Weimarer Republik
11:45 Samuel Wagen-Magnon (Lausanne): „Film Foto Mickey maus”. Carl Einstein et le cinéma: une „crise de réalisme”?
12:30-14:00 Mittagspause

Sektion IV: Globalität
14:00 Paul N’guessan-Béchié (Abidjan): Faszination und Aktualität von Carl Einsteins „Negerplastik“ aus afrikanischer Perspektive
14:45 Charles Haxthausen (Williamstown): A “bescheidener Beginn”: Carl Einstein’s ‘Afrikanische Plastik’
15:30-16:00 Kaffeepause
16:00 Roberto Conduru (Rio de Janeiro): Carl Einstein in Brazil – towards other connections with Africa and the globe
16:45 Julia Burbulla (Bern): How does science work? Carl Einstein im Spiegel kunstwissenschaftlicher Reformbemühungen

ständig aktualisierte Informationen unter https://cek2017.hypotheses.org/


XXXIII. Deutscher Kunsthistorikertag

Technische Universität Dresden, 08.–12.03.2017

veranstaltet vom Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
und dem Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden
unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen Stanislaw Tillich

Kunst lokal – Kunst global

Selten stand ein Kunsthistorikertag so sehr im Fokus des Politischen. Woran mag das liegen? Wenn wir davon ausgehen, dass die täglich, stündlich oder bereits sekündlich bei uns eintreffenden Bilder von Menschen im Krieg, nach Attentaten oder auf der Flucht ebenso wie die Bilder des zerstörten kulturellen Erbes das Innerste unseres Faches betreffen, dann ist diese Frage wohl schnell beantwortet. Von allen diesen Bildern verbleiben vermutlich nur einige wenige dauerhaft im Gedächtnis. Es sind eher die Fülle und die Frequenz dieser Bilder ebenso wie ihre mediale Bearbeitung, welche uns oftmals hochgradig emotional berühren, aber fast ebenso oft auch irritieren und skeptisch werden lassen. Die derzeitige politische Lage zeigt einmal mehr, wie eng die Verzahnung von Politik, Kultur und Wissenschaft in einer globalen Welt ist, wie stark die Auswirkungen und Erschütterungen auch auf lokaler Ebene zu spüren sind. Und so könnte der diesjährige 34. Deutsche Kunsthistorikertag an keinem geeigneteren Ort stattfinden als in Dresden, wo sich eine weltoffene, international vernetzte und gegenüber dringenden gesellschaftlichen Fragen aufgeschlossene Wissenschaft präsentiert. Das Motto des Kunsthistorikertages ist aus diesem Grund aktueller denn je: »Kunst lokal – Kunst global«. Es soll zeigen, wie sehr gerade Dresden als Ort der Kunst mit seinen wunderbaren Sammlungen und zugleich als historischer Schmelztiegel verschiedenster Kulturräume dazu in der Lage ist, Menschen aus aller Welt die Kunst in Verbindung mit ihrer wissenschaftlichen Erforschung nahezubringen.

Die Prozesse kultureller Transformation beschleunigen sich immer mehr, alte Identitäten werden tagtäglich neuen gegenübergestellt. Daher möchten der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. und das Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden als gemeinsame Veranstalter das Spannungsfeld von Lokalität und Globalität auf dem Gebiet der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart ausloten. Dabei wird auch der Zusammenhang von Topografie und Identität in einer globalisierten und kulturell vielfältigen Gesellschaft berührt, die von divergierenden politischen und religiösen Leitbildern geprägt ist. Nicht zuletzt soll in den unterschiedlichen Sektionen die Frage gestellt werden, wie wir in der neuen, auf einen eminenten Wandel hin ausgerichteten Gesellschaft die gegenseitigen kulturellen Überlieferungen, etwa die Denkmale und Objekte der eigenen mit denen der jeweils anderen kulturellen Sphäre, in Verbindung bringen können.

Diesen Fragen soll in Dresden breiter Raum gegeben werden: Zwölf Sektionen, sechs Ortstermine, eine Podiumsdiskussion, fünfzehn Foren und eine Fülle von Exkursionen werden die Folie bieten, Diskussionen zu entfachen, Vorstellungen auszutauschen, vielleicht gemeinsame Lösungen zu finden.

Wir freuen uns, Sie in Dresden begrüßen zu dürfen!

Kilian Heck
Erster Vorsitzender

Iris Wenderholm
Zweite Vorsitzende


Ausschreibung ADKV-Art Cologne

zum ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik 2017

Die ADKV würdigt mit der Auslobung des Preises das Engagement freier KunstkritikerInnen, die sich in der Fach- und Tagespresse oder in anderen Medien mit zeitgenössischer Kunst und ihrem sozialen Kontext auseinandersetzen und hebt den bedeutenden Anteil der Kritik an der Vermittlung anspruchsvoller Kunst hervor. Gerade die Kunstvereine mit ihrem Schwerpunkt in der Produktion zeitgenössischer Kunst sind auf einen Kulturjournalismus angewiesen, der eigenständige Qualitätskriterien und innovative Textformen entwickelt und beschreibt.
Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.
Bewerbung: per E-Mail an kunstkritik@kunstvereine.de
Einsendeschluss: 15. Januar 2017
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Newsflash Kunstkritik?

Newsflash Kunstkritik?
Wie die digitale Vernetzung und Verbreitung von Kunst neue Herausforderungen an die Kritik stellt

Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M./ Frankfurter Kunstverein, 24.-25. Nov 2016
Deadline: 27. Juni 2016

Tagung des Promotionsbereiches der Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M. im Frankfurter Kunstverein, 24.-25. Nov. 2016, unterstützt von der AICA (Association des critiques d’art) Deutschland e. V.
Konzept: Ellen Wagner (Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M.)

Das Internet stellt einen umfassenden Nicht-Ort dar, an dem das Verhältnis von Kunst und Ware durch massenhafte Verbreitung von Reproduktionen immer undurchsichtiger wird. Betrachtet man z. B. das DISmagazine als Ort des von Künstlern selbst stark geprägten Diskurses, stößt man auf eine Überfülle an Inhalten, die die Kunst rahmen, ohne sie zu kontextualisieren. Über die Präsentation von Kunst, Konsumprodukten und kritischen Essays in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander wird hier nicht nur eine Aufklärung über bestimmte Produktionsvorgänge in der post-digitalen Gesellschaft verfolgt, sondern genauso die Lust am individuellen Zusammenstellen von Bildern und Texten zelebriert. Unterschwellig wird damit wiederum eine Logik der mass customization wirksam, in der oberflächliche Anschlussfähigkeit eines Bildes wichtiger scheint als die komplexe Einbettung eines Werks in vielfältige, sich eben nicht von selbst erschließende kulturelle Zusammenhänge.
Verbreitet sich Kunst über Facebook-Profile, tumblr-Blogs, Onlinemagazine usw., steigt mit ihrem Bekanntheitsgrad auch der Vermittlungsbedarf. Dass Abbildungen von Kunstwerken in unterschiedlichen Kontexten verlinkt werden, scheint nur auf den ersten Blick einen freieren Zugang zu ihnen zu fördern. Da ihre Vielzahl an Bezügen zum Kunst- und Internetkontext oft ungeklärt bleibt, laufen die Arbeiten Gefahr, eine distanzierende Undurchsichtigkeit zu entwickeln. Immer drängender stellt sich die Frage, ob es sich bei den online verbreiteten Bildvarianten überhaupt noch um Reproduktionen handelt oder um einzelne Momente eines ‚verstreuten Originals’, das nur als Netz aus verschiedenen Bezügen und Perspektiven zu erfassen ist.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die Rolle des Kritikers als eines Experten, der über Einordnungen und Wertungen bestimmten Werken langfristig Aufmerksamkeit verschaffen könnte, umso häufiger Ablehnung erfährt, je mehr sich die Kunst dem Populären zuwendet. Zielt ein Werk, zumindest dem ersten Blick nach, vorrangig auf Überraschung und Unterhaltung, scheint es jedem Betrachtenden selbst zu obliegen, diesem mehr oder weniger Aufmerksamkeit zu schenken und zu beurteilen, welche Bedeutung es in dieser individuell erfahrenen Situation für ihn hat.
Unter Kritikern wiederum hört man immer wieder die Beschwerde, die Unterscheidung, ob man es gerade mit einem Kunstwerk oder einem Konsumartikel zu tun habe, werde zunehmend erschwert – nicht zuletzt aufgrund des Eifers, mit dem in beiden Sphären, in der Kunst wie in der Produktwerbung, in Ausstellungsdisplays und Warenauslagen, immer neue Variationen des bereits Vorhandenen erstellt werden. Auch der Verfall der Kunstkritik zur bloßen Serviceleistung, die beliebige Kunstwerke in ansprechende Produktbeschreibungen oder unterhaltsame Kurznachrichten verpackt, wurde in diesem Zusammenhang häufig konstatiert.

Die Tagung Newsflash Kunstkritik widmet sich der Frage, wie man schreibend einer Kunst begegnen kann, die sich, explizit oder implizit, über ihre Vernetzung im Analogen und insbesondere Digitalen definiert. Thematisiert werden können unter anderem Aspekte der Erscheinungsweise von Kunstwerken im Internet, die es, etwa im Fall der sog. Post-Internet Art, in das journalistische und wissenschaftliche Schreiben über Kunst miteinzubeziehen gilt:

- Wie werden Bilder, Skulpturen und Installationen online, z. B. als installation shots oder snippet-Ansichten, so präsentiert, dass sie illustrativ oder warenförmig werden? Was genau ist es eigentlich, das bestimmte Materialien, Formate, Präsentationsformen usw. im Digitalen besonders ‚gut aussehen’ lässt? Wie ist diese digitale Erscheinung der Arbeiten mit deren analoger Existenzform zu verknüpfen?

- Bedarf es zur Besprechung von Kunst, die sich im Kontext der Internetkultur verortet, eines ‚internet-ikonographischen’ Wissens? Wie tief sollte man tatsächlich in die Internetkultur eintauchen, um deren Bedeutung für die Kunst erklären zu können?

- Welche (textlichen) Darstellungsformen eignen sich zur Annäherung an eine Kunst, die immer ihre Verbreitung mitdenkt und kaum auf einzelne objekthafte Werke zu fixieren ist? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich etwa über die Form des Interviews bzw. wie ist generell mit den vor allem im Netz allgegenwärtigen Künstlerstatements umzugehen?

- Muss sich Kunstkritik von der Kultur des Likens und Dislikens, wie sie in den sozialen Medien herrscht, distanzieren, indem sie mehr auf Kontextualisierung als auf Wertung setzt? Wie viel Interpretationsarbeit am einzelnen Werk ist nötig, um die Kunst von der Austauschbarkeit des internet contents abzuheben?

Als Vortragende stehen bereits fest: Kerstin Stakemeier, Noemi Smolik und Jörg Scheller. Insbesondere junge WissenschaftlerInnen sind eingeladen, versierte Vorschläge für einen ca. 30-minütigen Beitrag einzureichen. Bitte senden Sie Ihr Abstract (ca. 300 Wörter) mit einer Kurzbiographie bis zum 27. Juni 2016 an Ellen Wagner, Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M. (wagner@hfg-offenbach.de).


XXXV. Deutscher Kunsthistorikertag

Göttingen, Georg-August-Universität,
27.–31.03.2019
veranstaltet vom Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. und dem Kunstgeschichtlichen Seminar und der Kunstsammlung der Universität Göttingen, unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen Stephan Weil


Zu den Dingen!

Die Begegnung mit Kunst stellt uns vor immer neue Herausforderungen und Möglichkeiten, sei es des Erkenntnisgewinns, des ästhetischen Genusses oder auch der Selbstreflexion. Dabei sind die Objekte, in denen uns Kunst begegnet, selten mit einer Methode allein zu deuten, sondern erschließen sich erst sukzessive und unter Zuhilfenahme einer Fülle von Sichtweisen. Denn ihre Bedeutung entwickelt sich im Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Bereiche, die das Werk ausmachen: Materialität und Farbe, Größe und Plastizität, Aufstellungssituation und Provenienz. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Beschäftigung mit Objekten in den Geistes- und Kulturwissenschaften als eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gilt, in der die Kunstgeschichte eine zentrale Rolle einnimmt: Denn verstand sie sich schon immer als Wissenschaft, die es mit Objekten zu tun hatte, so konnte sie als Fach davon profitieren, dass durch die Bildwissenschaften der Untersuchungs- und Gegenstandsbereich ausgedehnt wurde: Ganz selbstverständlich zählen heute Objekte der Populär- und Alltagskultur, der religiösen Praxis sowie die Dinge der Wissenschaften dazu.

Wie fruchtbar die Auseinandersetzung mit den Dingen und den in ihnen verankerten Spuren ist, haben etwa die jüngsten Debatten um Provenienz und Restitution gezeigt. Um die objektbiographischen Einschreibungen entziffern zu können und die Objekte in ihren epistemischen Zusammenhängen zur Diskussion zu stellen, bedarf es jedoch auch innerhalb der Kunstgeschichte vieler unterschiedlicher Köpfe. So versteht sich das diesjährige Motto des 35. Deutschen Kunsthistorikertages, der gemeinsam mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen ausgerichtet wird, als Aufforderung zur Zusammenarbeit – miteinander, innerhalb der Fächergrenzen und über diese hinaus. Hierbei ist es uns wichtig zu betonen, dass die Autonomie der kunstgeschichtlichen Expertise zur Erforschung der Objekte auch in Zeiten wachsenden Einflusses der Politik auf vielen Ebenen der Objektforschung und Kunstpolitik bewahrt werden muss – und das auch oder gerade in Zeiten bestimmter dominierender Themen und Trends.

Als neues Format präsentieren sich in Göttingen erstmals die Berufsgruppen der Mitglieder in eigenen Foren, um aktuelle berufsspezifische Fragen, die sowohl methodischer als auch praktischer Natur sind, für Hochschule, Museum, Denkmalpflege sowie die Freien Berufe zu diskutieren.

Der gemeinsame Blick auf die Objekte und ihre Sprache verspricht ein besonders geeignetes Instrument zu sein, um Diskursformen von Herrschaft, Kirchenkunst als Zeugin konfessionellen Wandels, dem „Wissen der Objekte“ und vielem mehr in Göttingen mit seinen bedeutenden, objektfokussierenden Traditionen und seinem Selbstverständnis als Wissenschaftsstadt auf die Spur zu kommen.

Kilian Heck, Erster Vorsitzender
Iris Wenderholm, Zweite Vorsitzende

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