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51st AICA International Congress in Taiwan

Bericht zum 51. Internationalen Kongress in Taiwan

Art Criticism in the Age of Virtuality and Democracy
Taiwan, 16. - 18. November 2018

Der Kongress begann mit einem fulminanten Vortrag von Audrey Tang, civil hacker und erste Digital Ministerin Taiwans, die in ihrem Vortrag Forking Democracy den vollkommen offenen Umgang mit dem Internet als Basis der direkten Demokratie anpreist. Ziel ist es durch eine radikale Transparenz der Staatsführung und die partizipatorische Beteiligung der Bevölkerung einen Konsens zwischen Bürgern und Regierung zu schaffen. Sie zitiert die Offenlegung des Staatshaushalts, zu welchem die Bürger ihre Einwände und Vorschläge einbringen können. Wie dies funktionieren könnte, demonstriert sie, indem sie den Teilnehmern eine App angibt, unter der wir unsere Fragen an sie richten können. So reagiert sie direkt auf die Interessen der Zuhörer. Ihr Vorschlag ist es, nicht mit dem Internet, sondern im Internetzeitalter zu leben. Es wirkt sehr überzeugend.

Mehrere Vorträge nach dem ersten Keynote Speaker Nikos Papastergiadis widmen sich der Frage nach dem Verhältnis zwischen Betrachter und Teilnehmer, von Gemeinschafts-Kunstwerken, welche die Bedingungen der Sichtbarkeit in einem medienübersättigten Umfeld hinterfragen und die zunehmend verwischten Grenzen zwischen traditioneller, moderner und zeitgenössischer Betrachtungsweisen im Hinblick auf das Demokratisierungspotential der Neuen Medien und der Politik der Sichtbarkeit. Genannt seien: Liam Kelly mit seiner Reflexion zur poetisch/politischen Arbeit The Agreement von Shane Cullen; Rui Goncalves Cepedo mit seiner Untersuchung von sozial engagierten Kunstformen, die einen kreativen Wissensaustausch zwischen Künstlern und Gesellschaft herstellen; Nathalie Kings Präsentation des Moments der Aufgewühltheit in Fotos, Filmen und Videos von Tracey Moffatt und Valery Wens, anhand derer sie die Reaktion auf turbulente Ereignisse – gleich ob Naturkatastrophen oder politische und soziale Unruhen – in Zeiten der Virtualität untersucht.

An falscher Stelle, nämlich unmittelbar nach dem Keynote Speaker, wird die Vorstellung von 70 Jahre AICA Archiv durch Henry Meyric Hughes als Unterbrechung empfunden, auch wenn man den Wunsch der Präsidentin, die Geschichte der AICA in den Kongressen einzubeziehen, nachvollziehen kann.

Ein weiterer Beitrag des Kongresses konzentriert sich auf die Bedingungen des Schreibens in Zeiten der Social Media. Rhama Khazam widmet sich der Frage nach der Wahrheit zu Zeiten der Fake News. Sie stellt die Frage, ob das ein so neues Phänomen ist und setzt die aktuelle Situation in den historischen Kontext.

Anders als Audrey Tan hinterfragt Elisa Rusca in ihrem Vortrag a brave new virtual world? die Auswirkungen des Internets auf den Alltag und sieht die einseitige Manipulation des ihm vollkommen ausgelieferten Consumers, das Interface als Barriere der gegenseitigen Kommunikation. Nur Hacker und Künstler sind in der Lage die Situation umzudrehen.

Bernhard Serexhe stellt in seinem Vortrag die Frage nach der Verstärkung totalitärer und populistischer Tendenzen durch das Internet und berichtet über seine Ausstellung GOBAL CONTROL AND CENSORSHIP, die er nach ihrem Start am ZKM Karlsruhe (2015) und einer zweijährigen Reise durch sechs ost-europäische Länder letzte Woche an ihrer siebten Station in Debrecen, Ungarn, eröffnet hat. Ihm geht es auch um die Frage, ob die Bevölkerung nicht schon gegenüber der allgegenwärtigen Überwachung und Zensur resigniert hat.

Die Künstlergruppe Robotlab aus Deutschland stellt ihre zwanzigjährige Arbeit mit Industrierobotern vor. In weltweit gezeigten Projekten wie "autoportrait", "manifest", "BIOS-Bible" und "the big picture" hat die Künstlergruppe immer wieder kritisch hinterfragt, ob und inwieweit in Zukunft Roboter kreative Aufgaben, die bisher dem Menschen vorbehalten waren, übernehmen können.





Da der Kongress zwei parallellaufende Sektionen hatte, ist es unmöglich über alles zu berichten.

Zu Beginn des Kongresses legten die Organisatoren bereits eine in Buchform gedruckte schnelle Publikation aller Abstracts und Volltexte vor; hierbei war allerdings in vielen Fällen nicht die Druckgenehmigung bei den jeweiligen Autoren eingeholt worden; manche Autoren hatten ihre als Vorabinformation eingesandten Texte ausdrücklich als "draft, not for publication" markiert.





























51st AICA International Congress in Taiwan

51st AICA International Congress in Taiwan,
14-21 November 2018

Nov. 14 Committees (in Taipei)
Nov. 15 General Assembly & Board Meeting (in Taipei)
Nov. 16-18 Symposium (in Taipei)
Nov. 19-21 Post-Congress Trip (in Taichung, Tainan, Kaohsiung)

Congress Theme: Art Criticism in the age of Virtuality and Democracy

Based on observations of important tendencies in the actual world, we would like to address some key issues concerning the role of art criticism related to these new developments.

Firstly, the virtual is not the opposite of reality but rather an increasing part of our reality. Presently, communities, social relations, everyday life, the body, and even biological life are in the processes of mass virtualization. Life itself has been supposed as an algorithm, AI as a brain without body, while space-time’s relationship is virtualized in VR technology. A virtual enterprise need no longer convene its employees onsite, but rather can delegate work to be done remotely, thus re-articulating the time-space relationship of its workers.

Secondly, if we make an observation of a longer duration, there seems to be an unquestionable expansion of democracy which can be confirmed by the democratic transitions beginning in the mid-1970s, which span from Latin America to Taiwan and South Korea, through the end of the cold war, and to following transitions in Eastern Europe, the Color Revolution and the Umbrella Movement in Hong-Kong in the fall of 2014. Nevertheless in more recent years, the phenomenon of the retreat of democracy can also be observed in the uprising of the populism worldwide.

Moreover, these two tendencies may be related. The Congress Theme “Art Criticism in the age of Virtuality and Democracy” has two sub-themes:

Art criticism in the age of virtuality Art discourse facing challenged democracy

“Art criticism in the age of virtuality” will address the situation in which the rapid pace of development in computer and media technologies is creating new working environments and new possibilities for art, each with their own particular problematics. How does this process affect the description, interpretation and evaluation of contemporary art? More precisely, does art criticism develop new methodology and new languages concerning its analysis and new problematics in its debates? What does it mean for art and art criticism that new media reaches crowds of new readers around the world, often “for free”?“Art discourse facing challenged democracy” will discuss the following questions: how is art discourse constitutive of the collective representations and imaginary of democracy? In the situation of democracy under challenge, how are these social-political phenomena reflected in new developments of censorship and self-censorship, or post-truth? For new problems brought out by transitional justice, what kind of function can art discourse play?