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Call for Paper

Call for Paper

52. Internationaler AICA Kongress Deutschland
Kunstkritik in der Zeit von Populismus und Nationalismen
1. – 7. Oktober 2019Köln – Berlin
Eine Veranstaltung der AICA Deutschland in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes

Populistische Tendenzen, gleich welcher Couleur, prägen die zeitgenössische Medienlandschaft und das Feld der Kunst- und Kulturkritik. Diskussionen über die Entfernung von umstrittenen Kunstwerken oder das Einsickern der „Me Too“-Debatte in den Kunstdiskurs nehmen sich ihren Raum in der Berichterstattung. Ethische Bewertungskriterien werden ins Feld geführt, wo Künstler*innen mit ihren Werken und Aktionen bewusst provozierend oder scheinbar naiv kulturelle Aneignungen vollziehen. Doch wo und wie verläuft die Grenze zur Beschneidung künstlerischer Ausdrucksfreiheit? Was sagt der Verlauf solcher Auseinandersetzungen zwischen ethischen und ästhetischen Fronten aus, über unser Verständnis von politisch „verantwortungsvoller“ Kunst und kunstkritischen Herangehensweisen, die einer solchen „angemessen“ erscheinen?

Der 52. Internationale AICA-Kongress widmet sich den Möglichkeiten kritischer Auseinandersetzung mit Kunst als einer sozial eingebetteten, doch ästhetisch freien Ausdrucksform.
Dient Vereinfachung nicht mehr der Vermittlung komplexer Zusammenhänge und gerät sie zur simplifizierenden Rhetorik derer, die ihr Publikum mit dem Ziel der Verteidigung eigener Macht-ansprüche adressieren, wird Popularität zum Populismus. Wie kann die Kunstkritik Räume einer ernsthaft geteilten Öffentlichkeit mitgestalten und damit eine zentrale Rolle in gesellschaftlichen Prozessen übernehmen? Wie kann sie die Herausforderung annehmen, sensibel mit politischen Fragen umzugehen und selbstbewusst einzuspringen, wo Political Correctness die Freiheit der Kunst und der Kunstkritik einzuengen droht?

Um sich Gehör zu verschaffen und Kunst als Ausdruck der Gesellschaft zu positionieren statt als Luxusgut und Finanzanlage, scheint die Einmischung der Kritik in kulturpolitische Debatten um „populistische“ Entscheidungen einflussreicher Akteure unumgänglich – und zwar mit Blick auf internationale Entwicklungen ebenso wie vor die „eigene Haustür“.
Welche Macht hat die Kunstkritik darüber hinaus in der Auseinandersetzung mit Neo-Nationalismus, Rassismus und Diskriminierung? Welchen Weg schlägt sie ein in der Debatte um den Kolonialismus und den mit dieser verbundenen Rufen nach Wiedergutmachung und Reparation? Wie kann sie sich positionieren im Spannungsfeld zwischen Identitätspolitik und Kritik an ebendieser?

Wir stellen fest, dass nicht nur in der Politik, sondern auch in der künstlerischen Praxis Populismus Teil des Tagesgeschäfts geworden ist. Er kann Gegenstand künstlerischer Kritik sein, aber auch als Strategie genutzt werden, die verspricht, einer Position Aufmerksamkeit zu verschaffen, indem sie einseitig einer bestimmten politischen Richtung zuneigt oder gezielt polarisierende Darstellungsformen wählt. Wie aber kann die Kunstkritik Formate finden, um auf eine solche Kunst zu reagieren?

Wie die Kritik unabhängig bleiben kann, wenn ein Großteil der prekär arbeitenden Freelancer abhängig ist von jedem Auftrag, erscheint bisweilen wie ein Rätsel. Die ökonomische Notwendigkeit, ständig zahlende Auftraggeber zu finden, zeigt sich auch als ein möglicher Grund, weshalb viele Kritiker verstärkt über populäre oder gar populistische Themen und Ausstellungen schreiben. Welche Ausprägungen des Populismus dabei für die Kunstkritik relevant werden, wie sich Ausstellungshäuser oder Kritiker „populistisch“ geben und welche Rolle die unkritische Anpassung an einen angenommenen Mehrheitsgeschmack im kulturellen Bereich spielt, soll in verschiedenen Beiträgen ausdifferenziert werden.

Ins Gespräch zu kommen über Kunst, ihre Bedingungen und möglichen Folgen, und dabei offen gegenüber sich selbst und anderen gegenüber denken und sprechen zu können, ohne sich Zensur oder auch aufmerksamkeitsökonomischen Notwendigkeiten unterwerfen zu müssen – dies ist das Anliegen des Kongresses, der sich über demokratietheoretische, kunstwissenschaftliche, journalistische und künstlerische Ansätze diesem thematischen Feld widmet.

Folgende Themenbereiche können angesprochen werden:

-
Begriff und Geschichte des Populismus, insbesondere im kulturellen BereichKunstkritik als Reaktion auf populistische Tendenzen in der (Kultur-)Politik
- Zusammenspiel und Konflikte zwischen ethischen und ästhetischen Ansätzen in der Kunst und Kunstkritik
- Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung und Political Correctness
- Zensur, Bildersturm und Terror als Strategien eines kulturellen Populismus
- Auswirkungen von Populismus, Neo-Nationalismus und Zensur in der kunstkritischen Praxis
- Herausforderung der Kritik durch Populismus als Thema und Stil künstlerischer Praxis

Wir laden Kunstkritiker*innen, Kulturschaffende und Wissenschaftler*innen herzlich ein, Vorschläge für einen 20-minütigen Beitrag einzureichen und diese, sofern möglich, einem der stichpunktartig aufgeführten Themenfelder zuzuordnen.

Bitte senden Sie Ihr Abstract (max. 2.000 Zeichen) auf Englisch sowie optional zusätzlich auf Deutsch, Französisch oder Spanisch mit einer Kurzbiographie (und Statement zum Kongressthema in einem Satz, insgesamt ca. 600 Zeichen) inklusive Porträtfoto und entsprechender Copyright-Angabe bis zum 7. April 2019 an Marja-Terttu Kivirinta (mtkivirinta@mac.com).

Die Mitteilung über eine Annahme der Beiträge erfolgt voraussichtlich Anfang Mai 2019.
Bei Annahme des Vorschlags werden die Abstracts und Biografien mit Foto im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Kongresses online und in Print verwendet.
Für die Unterbringung der Referent*innen während der Kongresstage ist gesorgt.